Steine in der Dreieich
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Wertvoller Wappenstein zerstört, gestohlen und wiedergefunden       


zerbrochener WappensteinAnfang März 2021- Ich habe den weiter unten folgenden Beitrag über die Grenzsteine im Forst Offenbach Anfang Februar 2021 freigeschaltet. Er beruht ganz bewusst auf den Dokumentationsarbeiten aus dem Jahr 2004 von Frau Luise Hubel, einer pensionierten Lehrerin aus Offenbach. Ich selbst bin die verschiedenen Grenzabschnitte nicht hintereinander, sondern zu unterschiedlichen Zeiten abgelaufen, den Sektor zwischen Autobahn A3 und der Dietzenbacher Straße vor ca. 4 Jahren. Besonders beeindruckte mich ein Wappenstein mit dem Deutschordenskreuz und dem Schönborner Löwen. Wegen anbrechender Dunkelheit machte ich damals keine Aufnahmen. Dies wollte ich kürzlich nachholen. Dabei machte ich eine unerfreuliche Entdeckung: vom Stein No 85 (-->Standort) war nur noch ein Stumpf übrig, der Kopf mit den beiden Wappen war verschwunden!

zerbrochener WappensteinEine nähere Untersuchung zeigte, dass auf der Südwestseite zunächst zwischen Kopf und Fuß eine Bruchrinne mit keilförmigen Vertiefungen gemeißelt wurde. Die Bruchkante verläuft aber nicht auf dieser Linie, sondern weiter oben. Diese Kanten sind sehr scharf und "sauber"; es sind keine Abplatzungen zu erkennen, die auf einen festen Schlag mit einem Hammer hätten schließen lassen. Folglich muss der Schlag, der für das Abbrechen des Kopfs ursächlich verantwortlich war, den Stein weiter oben getroffen haben. Es ist nicht auszuschließen, dass dabei der Kopf des Basaltsteins in mehrere Stücke zersprungen ist. Bruchstücke waren in der näheren Umgebung nicht zu finden. An der Bruchrinne ist Moos zu erkennen und die Bruchfläche ist an einigen Stellen leicht grünlich. Das deutet darauf hin, dass die Tat bereits vor einem oder zwei Jahren begangen wurde.

Y-CF 85 Zeichnung HubelDas Besondere an diesem Stein besteht in der Tatsache, dass er auf einer Seite mit dem Deutschherrenkreuz (= Wildhof) und auf der anderen Seite mit dem Schönborner Löwen geschmückt ist. Das Schönborner Wappen ist hier fehl am Platz; es handelt sich um die Grenze des Wildhofgebiets des Deutschen Ordens zum isenburgischen Forst Offenbach. Diese Basaltsteine mit dem Deutschherrenkreuz und dem Schönborner Löwen kennt man von der Grenze Wildhof - Gravenbruch weiter südlich am Rande der Wohnstadt Gravenbruch. Es kann sich um eine Zweitnutzung handeln. Allerdings findet man 50 Meter weiter südwestlich einen weiteren Stein (No 84) mit dem Deutschherrenkreuz auf einer Seite. Die gegenüberliegende Seite ist aber leer. Wie dem auch sei: Die mutwillige Zerstörung eines solchen Wappensteins und der Diebstahl des Kopfes ist ein eklatanter Verstoß gegen bestehende Gesetze. Die kriminelle Energie dabei war beträchtlich. Andererseits kann es sich nicht um Profis gehandelt haben, diese hätten den Stein im Ganzen ausgegraben und weggeschafft. Aber auch den abgebrochenen Kopf (so er denn ganz geblieben wäre) hätte man schwerlich ohne ein Transportmittel weggeschafft haben können.  Ich habe nach der Entdeckung dieses Frevels natürlich unverzüglich im Internet nachgeschaut, ob dort der Stein (oder Bruchstücke davon) angeboten wird: Erwartungsgemäß ohne Resultat. Die Motive auf dem Stein sind wohl zu bekannt, als dass man das Risiko eingehen würde, den Stein auf Ebay anzubieten.

Ich habe die zuständigen Behörden über den Verlust informiert und anheimgestellt, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Das ist zwischenzeitlich durch das Forstamt Langen erfolgt. Am 29.03.2021 berichtete die Offenbach-Post über den Fall.

Walter KoserAm 6.04.2021 geschah das Unerwartete: Ich erhielt einen Anruf von Herrn Walter Koser aus Waldacker. Er berichtete, dass er zufälligerweise den vermissten Kopf des Grenzsteins während eines Spaziergangs in einer Brachgebiet an der Waldstraße in Dietzenbach entdeckt habe, was mich mit großer Freude erfüllte. Durch den Bericht von Frank Sommer in der Offenbach-Post haben die Täter kalte Füße bekommen und entledigten sich auf diese Weise ihres Diebesgutes. Gleich am anderen Morgen sicherten wir zusammen das Bruchstück. Nach einer Reinigung bei mir im Hof wird der Kopf wieder mit dem Fuß vereint werden. Hier der Bericht der Offenbach-Post über dias Auffinden des Steins.

Reparatur Dieser Fall nötigt zum Nachdenken: Was geht in den Köpfen von Leuten vor, die ein solches Kulturdenkmal mutwillig zerstören? Der Aufwand dafür war nicht unbeträchtlich, vom vergeblichen Versuch, den Kopf sauber abzusprengen, bis zum Wegtransport aus dem unwegsamen Waldgelände. Sollte der Stein verkauft werden? Sollte er den eigenen Garten zieren? Man wird es wohl nie erfahren. Dieser Fall zeigt jedoch beeindruckend, dass die systematische Dokumentation von Grenzsteinen hilft, das Risiko von Diebstählen zu reduzieren und auch eine Wiederbeschaffung zu ermöglichen.

Am 27.4.2021 wurde der Kopf des Steines wieder mit seinem Fuß vereint. Dabei fiel auf, dass der Fuß recht locker im Boden steckte. Es ist nicht auszuschließen, dass die Diebe den Stein ausgegraben hatten und bemerkten, dass er zu schwer für den Abtransport war. Daraufhin schlugen sie den Kopf ab. Wie dem auch sei: hoffen wir, dass der Stein die nächsten 250 Jahre dort unbehelligt stehen bleiben kann. Eine aufregende Geschichte. Heimatkunde ist eine spannende Angelegenheit!



Forst Offenbach

   Für Luise Hubel                                                                                                            Februar 2021

Luise Hubel ist/war eine pensionierte Offenbacher Lehrerin. Nach ihrer Pensionierung hat sie die Grenzsteine rund um Offenbach erfasst. Ich hatte sie um 2012 kennen und schätzen gelernt. Sie suchte akribisch in Archiven nach relevanten Unterlagen, suchte intensiv nach den Steinen vor Ort und zeichnete sie mit klaren Strichen ab. Zudem trug sie die Standorte der Steine sehr exakt auf Landkartenausschnitten ein. Sie überließ mir freundlicherweise ihre Unterlagen zum Kopieren. Diese Informationen halfen mir bei vielen Gelegenheiten, wie dieser Website zu entnehmen ist. Freilich benutzte sie kein GPS Gerät, um die Koordinaten zu bestimmen. Die Ergebnisse ihrer Dokumentationsarbeit liegen dem Stadtarchiv Offenbach unter der Signatur H49/2 vor (2001). Leider verlor ich den Kontakt um 2016 mit ihr, sie ging nicht ans Telefon. Als ich ihre Wohnung aufsuchte, war diese an eine andere Partei vermietet. Auch ihre ehemaligen Schule konnte nicht weiterhelfen. Der folgende Bericht über die Grenzen des Offenbacher Forstes ist ihr gewidmet. Ich bin die Grenzen 2020 abgelaufen und auch alle Steine fotografiert. Für die Bebilderung dieses Berichtes nutze ich aber fast ausschließlich die schönen Zeichnungen von Luise Hubel. Die Fotos kann ich auf Anforderung zur Verfügung stellen.

Bevor wir auf die Grenzen und Grenzsteine des Forstes Offenbach näher eingehen, sollen die Besitzverhältnisse der Wälder in der Landschaft Dreieich betrachtet werden:
  • Im Norden erstreckte sich der Frankfurter Stadtwald, der sich seit dem Jahr 1372 bis heute im Besitz der Reichsstadt befindet.
  • Der Wald nördlich und östlich von Sprendlingen gehörte früher den Grafen von Heusenstamm, Dieses Waldgebiet wurde irgendwann von den Falkensteinern gekauft. Es ging dann per Erbfolge und Kauf in das Eigentum der Grafen von Isenburg-Büdingen über. Aus ihrem Besitz 1600 wurde das Amt Langen und somit auch der Mitteldicker Wald an Hessen-Darmstadt verkauft. Nach der Absetzung des letzten Großherzogs 1918 wurde aus diesem Domanialwald ein hessischer Staatsforst.
  • Ihren verbliebenen Wald bezeichneten die Isenburger später als "Forst Offenbach" und "Forst Dreieich", letzterer mit den Revieren Sprendlingen, Götzenhain und Offenthal. 1900 verkauften sie den Forst Offenbach und das Revier Sprendlingen sowie 1930 die Reviere Götzenhain und Offenthal an den hessischen Staat. Die Gemarkung Forst Offenbach wurde 1937 gemarkungsmäßig in das Stadtgebiet von Offenbach integriert.
  • Als die Herren von Heusenstamm ausstarben, gelangte ihr Territorium mit dem Gravenbrucher Wald 1661 in den Besitz der Schönborner Grafen. Sie verkauften um 1960 das Gebiet nördlich der L 3177 für den Bau der Wohnstadt Gravenbruch und den Rest dieses Waldes 1978 an die Stadt Frankfurt.
  • Das Wildhofgebiet gehörte seit 1343 dem Deutschen Orden, Comturei Frankfurt. Nach der Säkularisierung wurde es dem Fürstentum Isenburg zugeschlagen, das 1816 im Großherzogtum Hessen aufging. Bei der Absetzung des Großherzoge 1918 ging dieses Gebiet nicht in Staatsbesitz über, sondern verblieb auf wundersame Weise im Besitz des Großherzogs bzw. dessen Hausstiftung. 1964 verkaufte die Hessische Hausstiftung das Wildhofgebiet für 30 Millionen DM an die Stadt Offenbach, der auch dann der größte Teil der Gemarkung zugeschlagen wurde.
  • Die Biebermark wurde um 1818 aufgelöst. Offenbach erhielt einen Streifen im Westen, der aber nicht direkt an den Forst Offenbach stieß.
Forst Offenbach - HubelAlso: Die ehemalige Gemarkung Forst Offenbach grenzte im Westen an Frankfurt, im Norden an das Stadtgebiet Offenbach, im Südosten an den Wildhof, im Süden an Gravenbruch und den Forst Dreieich (heute  Neu- Isenburg). Die nebenstehende Abbildung stammt von Frau Luise Hubel, deren Grenzstein- Dokumentation aus den Jahren 2002 - 2004 ich hier für das Internet aufbereite. Sie hat mir diese Unterlagen um 2012 übergeben, mit der Erlaubnis, diese zu Dokumentationszwecken zu nutzen.  Die Karte links zeigt die Grenzen der Gemarkung in rot. Die dickeren Linien markieren die Abschnitte, an denen noch Grenzsteine zu finden sind. Die gelb unterlegten Zahlen weisen auf die Abschnitte im folgenden Text hin.


Der virtuelle Spaziergang um den Forst Offenbach

1. Abschnitt

SensensteinWir beginnen unseren Spaziergang am ehemaligen Berührungspunkt der Gemarkungen Frankfurt, Forst Offenbach und Forst Dreieich (heute Neu-Isenburg). Dieser Punkt liegt unter der Brücke der A 661 über den Gravenbruchring. Alten Karen ist zu entnehmen, dass dort der "Sensenstein" stand. Er wurde nach dem Sprendlinger "Sensenwald benannt. Im Lapidarium am Langener Forstamt steht ein solcher Sensenstein, der im Sprendlinger Wald gefunden wurde. Wir überqueren nun die B 46. Diese Chaussee wurde um 1820 angelegt. Wir gehen weiter den Waldweg entlang bis zur Einfahrt zur Autobahnpolizei und überqueren vorsichtig dei Bundesstraße. Hier in der Nähe fand ich einen herausliegenden Stein, der von der Grenze Gravenbruch - Sprendlinger Wald stammen dürfte. Er steht jetzt im Langener Lapidarium. Luise Hubel erstellte eine Skizze des Steins mit einer Stele DreiherrensteinZeichnung des Fundortes. Wir fogen dem Weg entlang der Autobahn A3. Hier an der Nordgrenze des Gravenbucher Waldes konnten keine Grenzsteine gefunden werden. Wir kommen nun an die Nordostecke des Gravenbucher Waldes und folgen dem Grenzweg in südöstlicher Richtung bis zum ehemaligen Standort des Dreiherrensteins, den ich durch eine Sandsteinstele mit QR-Code markiert habe. Über den Dreiherrenstein, der lange Zeit vor der Gravenbrucher Polizeistation stand und sich jetzt im Haus zum Löwen, dem Neu-Isenburger Heimatmuseum befindet, habe ich an anderer Stelle ausführlich berichtet, ebenso über den Stein unserer Grenzlinie, der nordwestlich des Dreiherrensteins stand.

Von diesem Platz folgen Sie dem Pfad 7 Meter in den Wald.  Von hier aus erkennt man einen Graben, der nach Nordosten durch den Wald verläuft. Mit einer stachelfesten Jacke und Gummistiefel folgen wir ihm. Nach ca. 60 m macht er einen Knick. Man findet dort den Stein Y-CF 72. Er trägt die Nummer 72 auf dem Kopf und ist auf einer Seite mit einem "G" gekennzeichnet. Es handelt sich um einen Stein der Grenze des Ysenburger Forst Offenbach und dem Territorium des Deutschen Ordens, dem Deutschherrenwald bzw. der spätere Wildhofwald. Man kann dem Graben bis zur Autobahn folgen. Dort stehen noch acht weitere, teils mit Ziffern gekennzeichnete Steine (72 - 81). Frau Luise Hubel hat die Grenzsteine im April 2001 dokumentiert. Die Karte mit dem Grenzverlauf und die Zeichnungen der Grenzstein bis zur Autobahn können hier angeklickt werden. Frau Hubel ist der Auffassung, dass die Steine wahrscheinlich um 1547 gesetzt worden sind. Das "G" bedeutet "Gemarkungsgrenze" und sei nach einer Instruktion für Feldgeschworene nach 1833 nachträglich eingemeißelt worden. Die Grenze verläuft weiter über die Autobahn Richtung Nordosten, wo weitere Grenzsteine stehen, die gleich beschrieben werden.

2. Abschnitt

Abschnitt 2Y-CF Grenzverlauf
















Man quert die die Autobahn über die nahegelegene Brücke und hält sich dann zweimal links, um wieder an den Grenzgraben zu gelangen. Wie Luise Hubel weiter unten ausführt, sind die Steine meist mit einem G und der fortlaufenden Nummer beschriftet. Die Ausnahmen bilden die Steine 84 und 85, die auf der einen Seite das Deutschordenskreuz tragen, aber auf der anderen Seite das Schönborner Wappen. Diese beiden Steine stammen wohl von der Wildhofgrenze zu Gravenbruch. Wir gehen weiter dem Grenzgraben entlang zu dem ehemaligen Deutschherrenweiher und überqueren dann die Dietzenbacher Straße. Den von Luise Hubel dokumentierten Stein Nr. 92 konnte ich nicht finden wohl aber alle anderen.

3. Abschnitt

Abschnitt 3Hainbach 2














Lesen Sie hier, was Luise Hubel über die Grenze des Isenburger Forstes zum Wildhofgebiet schrieb:

Grenze zwischen dem Fürstlich-Isenburger Wald und dem Wildhofgebiet

Luise Hubel um 2002

Die Frankfurter Comturei des Deutschen Ordens erwarb den Wildhofer Wald 1343 und legte 1417 die vom Hainbach gespeisten Fischteiche mit den starken, heute noch gut sichtbaren Wällen an. Sie erstreckten sich auf der Fläche der heutigen „Langen Wiese“ und des jetzt verlandeten „Deutschherrenweihers“ bis zur Dietzenbacher Straße. Von dort ging um 1520 eine Stichstraße zum Jagdhaus Wildhof.

Westlich der Dietzenbacher Straße zieht sich der Grenzgraben am linken Ufer des Hainbachs entlang, zunächst knapp am Rand der ehemaligen Fischteiche. Besonders deutlich ist das neben den Wällen des „Deutschherrenweihers“, weniger auffällig neben den flacheren Wällen der „Längen Wiese“. Die Steine stehen jeweils auf einem halbkreisförmigen, abwechselnd nach Nordwesten und Südosten gerichteten Vorsprung der Grabenwand, dem sich der Graben anpaßt. Alle Steine tragen den Buchstaben „G“, abwechselnd nach der Seite der Isenburger und der Deutschherren gerichtet.

Die eingemeißelten Nummern der Steine sind von Südosten zu lesen, also vom Wildhofgebiet aus, und geben eine weitere Numerierung des Deutschherrenordens an, die auch an der Grenze zum Schönborner Waldgebiet von Gravenbruch auftritt und, wie die hohen Zahlen vermuten lassen, im Osten des Wildhofgebietes beginnt.

Die Datierung der teils rohen, teils nur auf einer Seite behauenen, teils stark verwitterten Steine ist kaum zu bestimmen, doch ist nicht anzunehmen, daß die Ordensverwaltung sich mit der Aussteinung der Grenze lange Zeit ließ, besonders wenn es um die für die Fastenzeit so wichtigen Fischteiche ging. Der Deutschordensbesitz in der Offenbachcr Gemarkung jedenfalls, Bauernhöfe und Wiesen, wurde 1547 genau vermessen und ausgesteint.

Dieser Grenzabschnitt liegt ganz im Wald und wird streckenweise selbst von Wegen kaum berührt. Daher sind fast alle Steine noch vorhanden.

Noch 1825 bildete östlich der Dietzenbacher Landstraße der Lauf des Hainbachs die Grenze, doch kam man 1826 überein, die natürliche Grenze zugunsten einer rationalen Lösung aufzugeben. Auf einer wie mit dem Lineal gezogenen, geraden Linie läuft die Grenze nun von der Einmündung des Wildhofbachs bis zur Dietzenbacher Straße und muß dabei den Hainbach dreimal überqueren.

Es wurden einheitliche, sorgfältig gearbeitete, gewölbte rote Sandsteine gesetzt. Der Wildhofbesitz wurde durch ein großes „W“ gekennzeichnet, die Fürstlich Isenburger Waldung durch Die unter dem „W“ eingemeißelten Nummern zählen vom Dreiherrenstein aus, während die spätere Wildhofer Zählung am Wildhofbach beginnt.

Durch die Arbeit des Baches und mehrerer artesischer Quellen hat sich das Ufer verändert. Außerdem wurde 1902 eine Druckrohrleitung vom Hohen Berg durch das Hlainbachtal gebaut. Beides erklärt, warum die Hälfte der Steine nicht mehr auffindbar ist.

F  J = Fürst von Isenburg W = Wildhof 


Überraschenderweise erwähnte Luise Hubel die beiden Wappenstent No 84 und No 85 in ihrem Bericht nicht explizit. Zumindest der Stein No 85 wäre ein Kommentar wert gewesen, denn er ist mit dem Deutschordenskreuz und seltsamerweise mit den Schönborner Löwen versehen. Es handelt sich um die Grenze des Deutschherrenwaldes (Wildhof) zum isenburgischen Forst und nicht zum Schönborner Wald !

4. Abschnitt

Abschnitt 4HainbachtalÖstlich der Dietzenbacher Straße beginnt der romantische Teil des Hainbachtals. Dort findet man drei schöne gewölbte Steine, die auf der Südseite mit "W" und einem "FJ" und einer Nummer versehen sind. Die andere Seite ist mit FJ (Fürstentum Isenburg) beschriftet. In dem Tal befindet sich die Kaiser Friedrich Quelle,an deren Einfassung ein weiterer alter (unbeschrifteter) Grenzstein steht. Wir setzen unseren virtuellen Spaziergang fort, passieren zwei weitere alte Grenzsteine und gelangen an die Hainbachtaler Werkstätten. An der Brücke war vor 1918 der Berührungspunkt des Forstes Offenbach, dem Offenbacher Gebiet, dem Deutschherrenwald und der Bieger Mark. Letztere wurde bei der Markwaldteilung der Offenbacher Gemarkung zugeschlagen.
Anmerkung 5/21: Horst Graf machte mich auf einen herausliegenden Stein mit der Inschrift "FDO" auf der Nordseite des Hainbachs und einen weiteren unbeschrifteten Stein unweit davon entfernt aufmerksam. Letzterer steht auf einem alten Grenzpunkt, wie man der historischen Karte aus dem Kukturlandschaftskataster entnehmen kann. Den herausliegenden Stein  habe ich am Fundort wieder aufgerichtet, der wahrscheinlich nicht sein Originalstandort sein dürfte.
Wir folgen auf unserer Wanderung nicht dem Hainbach, sondern halten uns kurz nach halblinks und dann gleich nach rechts. und kommen dann am Waldrand an die eigentliche Grenze vom isenburgischen Forst Offenbach zur Offenbacher Feldflur.

5. Abschnitt

Am ersten Garten biegt die Grenze nach links ab. Am Ende des Gartens steht Stein 27. Wir müssen jetzt weitergehen zum Habichtswaldweg. Dort stehen die Steine 28 - 37 in ungestörter Reihe. Stein 30 liegt heraus. Ab Stein 31 verläuft die Grenze zwischen einem Pferdehof und dem Wald. Die Steine 38 und 39 habe ich nicht gefunden. Bis zum nächsten Stein 40 müssen wir uns über die Rosenhöhe zum Ebsenweg bewegen. Lesen Sie weiter unten, was Luise Hubel über den folgenden Grenzverlauf geschrieben hat.

Abschnitt 5Steine 27-38



















Abgrenzung des Isenburger Waldbesitzes gegen die Offenbacher Feldflur

Die Gemarkung „Forst Offenbach“, welche die Fürstlich Isenburgische Waldung im Süden Offenbachs umfaßt, bestand 1825 noch nicht. Erst 1848/49 ist der Dreimärker (Stein 16), der die Gemarkungen Frankfurt, Offenbach und Forst Offenbach trennt, in der Grenzbeschreibung verzeichnet. 1937 wurde die selbständige Gemarkung „Forst Offenbach“ wieder aufgelöst und der Stadt Offenbach zugeteilt.

Die hier beschriebene Grenze bildet den Nordrand des „Forst Offenbach“ und folgt genau den einzelnen in die Waldung vorgeschobenen Feldern und Wiesen. Dementsprechend ist sie verwinkelt, kleinteilig und unübersichtlich. Sie beginnt an der Einmündung des Wildhofbaches in den Hainbach, führt, immer wieder die Richtung ändernd, nach Westen, überquert die Dietzenbacher und die Sprendlinger Landstraße und endet schließlich am Nordrand des Maunzenweihers. Streckenweise ist die heutige Waldgrenze noch mit ihr identisch Da die Großstadt Offenbach sich inzwischen mit Siedlungen, Sportplätzen und Kleingärten über die gesamte Feldflur und über Flur I des Forsts ausgedehnt hat, ist es nicht zu verwundern, daß die Steine fast nur noch im Wald und besonders an unzugänglichen Stellen erhalten sind.

Alle Steine bestehen aus rotem Sandstein, sind gewölbt, sorgfältig gearbeitet und mit im Durchschnitt 6 cm hohen Antiquabuchstaben beschriftet:

F d O = Fürstliches Dorf Offenbach F. I. W = Fürstlich Isenburger Wald


6. Abschnitt

Abschnitt 6Stein 40 steckt sehr fest im Weg, so dass er nicht ausgegraben werden konnte. Am Stein 41, der dicht neben dem Stamm einer Eiche steht, knickt die Grenze nach Süden ab, zunächst entlang eines Pfades, dann querwaldein. Stein 44a wurde von Luise Hubel nicht beschrieben. Die Steine 45 und 46 entdeckt man an einem Graben, der parallel zur August-Reiß-Schneise verläuft. Wenn man auf Stein 47 verzichtet (was angesichts der feuchten Gegend ratsam ist), geht man den Graben bis zum Stein 48 weiter und biegt dann wieder nach Norden und die Steine 49 und 50 zu erreichen. Bei der Rückkehr zum Ebsenweg bin ich über Stein 50a gestolpert. Stein 51 steht ganz markant am Wegesrand. Das Gebiet zwischen dem Haus St. Ludwig und der B 46 ist schwer durchdringlich: Bombentrichter, umgestürzt Bäume, Wassergräben. Die Steine 53 und 54 konnte ich nicht finden.


Steine 39-48Steine 49-56
















GH/Ch1Wir haben zwischenzeitlich die Buswendeschleife an der B 46 erreicht. Dort, wo die Grenze die Straße quert, standen auf beiden Seiten auf einem abgesteinten Platz (s. Alkis) zwei runde Steintische, von denen heute der westliche noch vorhanden ist. Ich habe diese Steintische und den Platz darum ausführlich beschrieben. Die Steine des Platzes auf der Ostseite sind mit GH und Ch gekennzeichnet. GH für Großherzogtum Hessen und Ch für Chaussee. Einer von den beiden Steinen war zerbrochen. Ich habe mir erlaubt, ihn zu restaurieren.

7. Abschnitt
Stein 53aWestlich der B46 bis zur Autobahn A661 macht die Grenze einen Bogen nach Norden (s. Übersichtskarte oben). Hier konnten keine Grenzsteine gefunden werden. Sie verläuft parallel des Wegs, der unter der Autobahn durchführt bis zum Buchrainweiher. An einem Zaunsockel südwestlich des Weihers findet man Stein 88 und in der Nähe des Auslasses des Maunzenweihers unterhalb des Damms Stein 99. Er ist mit "FDO" beschriftet (Fürstliches Dorf Offenbach). Hier stößt unsere Grenze an das Stadtgebiet von Frankfurt. Der Stein 99 besitzt dort die Nummer 53a.

Den Weg entlang der Grenze Frankfurt-Offenbach nach Süden wird in dem entsprechenden Kapitel beschrieben. An der Babenhäuser Landstraße endet unser Spaziergang. Da es sich um einen virtuellen Ausflug handelt, ist es einfach sich in Gedanken über den Monte Scherbelino und die Autobahn A5 zu beamen, um dann am gedachten Sensenstein die Runde um den Isenburgischen Forst Offenbach zu vollenden.
Abschnitt 7Abschnitt 7b




















 








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