Sühnekreuze
Im Dreieichgebiet, besonders in der
Gemarkung Offenthal, gibt es - trotz beträchtlicher
Verluste in den letzten Jahrzehnten - relativ viele Steinkreuze bzw.
Sühnekreuze und Kreuzsteine, die allesamt gut beschrieben
sind. Die ultimative Website in Deutschland für Informationen
über
diese Kulturdenkmäler ist
http://www.suehnekreuz.de. Frau
Gesine Weber von der Denkmalschutzbehörde des Kreises
Offenbach hat für den Kreis Offenbach eine Zusammenstellung
aller Sühnekreuze erarbeitet, die
-->
hier zu finden ist. Daraus sind die Maße und
Koordinaten sowie weitere Einzelheiten über diese
Kleindenkmäler zu entnehmen.
Solche inschriftlosen steinerne Sühnekreuze wurden etwa
zwischen 1200 und
1600 aufgestellt. Nach einem Totschlag wurde in einer Verhandlung
zwischen der Obrigkeit, dem Täter und seiner Familie sowie
der Familie des Opfers ein Vertrag ausgehandelt, der eine ganze Reihe
von Bußen enthielt. Unter anderem sollte am Ort der Tat ein
steinernes Kreuz aufgestellt werden, um an die Tat zu erinnern.
Hintergrund
war letztlich, die damals übliche Blutrache zu verhindern.
Es ist nicht sehr sinnvoll, die Sühnekreuze erneut detailliert
zu dokumentieren. Dafür wird im
Folgenden eine Fahrradtour beschrieben, bei der wir alle
bekannten
Sühnekreuze im erweiterten Dreieichgebiet "erfahren"
können. Viel Spaß dabei !

Die Tour beginnt im
Dreieich-Museum in der Dreieichenhainer Burg. Hier stehen in einem
Seitenraum neben einigen schönen Grenzsteinen drei
Sühnekreuze. Die beiden Kreuze auf dem linken Bild haben eine
interessante Geschichte: Das unbeschädigte Kreuz (rechts im
Bild) stand bis
1936 am Alten Berg bei Götzenhain unmittelbar an der
Gemarkungsgrenze von Dreieichenhain. 1933 fand man neben diesem Kreuz
in
einem Schutthaufen das andere, stark beschädigte Kreuz, das
man dann neben dem erstgenannten aufstellte. Bei Bauarbeiten im Jahr
1956 mussten
die Kreuze versetzt werden. Dabei wurde das beschädigte Kreuz
gestohlen. Karl Nahrgang entschied sich, das andere Kreuz im
Dreieich-Museum zu sichern. Die Diebe des Steinkreuzes,
offensichtlich angesehene, honorige Mitbürger (die Namen sind
in Lit. Dittler nachzulesen), stellten das Kreuz in ihrem Garten
auf. Nach ihrem Tod übergab die Tochter der Entwender
dankenswerterweise das Kreuz dem Dreieich-Museum. Seitdem sind die
Kreuze
wieder vereint.

Das
dritte Kreuz im
Dreieich-Museum stand zusammen mit einem ähnlich gestalteten
Kreuz an der Straße von Götzenhain nach Dietzenbach.
Dieses zweite dort stehende Kreuz wurde 1974 bei
Straßenbaumaßnahmen
gestohlen.
Um das andere vor einem gleichen Schicksal zu bewahren, wurde
es dort
fest einbetoniert. 1976 wurde es abgebrochen und
herausliegend vorgefunden. Es wurde seltsamerweise in ein
Museumsdepot nach
Dieburg verbracht. Erst im Jahr 2000 wurde es in das Dreieich-Museum
überführt, wo es von vornherein wegen der
Nähe zum Standort hingehörte.

Wir verlassen das Museum und begeben
uns über die Burgbrücke in Richtung
Untertor. Von der Fahrgasse aus erkennen wir im
Stützpfeiler der Palasmauer ein schräg eingemauertes
Sühnekreuz , das mit seinen gleichlangen Armen an ein
Andreaskreuz erinnert. Über dessen ursprünglichen
Standort ist nichts bekannt.
UTM:
-->
32 U 479710 5538843

Weiter
geht es am Dreieichenhainer
Friedhof vorbei durch den Wald über den Paddelteich in die
Langener Altstadt. In der Bachgasse entdecken wir zwei dicht
beieinander in den Boden eingelassene Sühnekreuze. Sie sind
unterschiedlich groß. Im kleineren ist eine
hakenförmige Vertiefung zu sehen (=
Pflugsech),
wahrscheinlich ein Hinweis auf die Herkunft des
Opfers. Früher lag zwischen
beiden Kreuzen ein Steinblock, der bei der Platzumgestaltung 1970
entfernt wurde. Leider wurden bei diesem Anlass die beiden
Kreuze vertauscht. Man sollte sich dies für die
nächste Platzumgestaltung merken.
UTM:
-->
32 U 477119 5537460


Wir fahren zurück durch
das
Naherholungsgebiet am Paddelteich an den großen
Grenzsteinen der ehemaligen Ysenburgisch - Hessen
Darmstädtischen Grenze vorbei Richtung
Götzenhain. Ca. 50 Meter vor der Einmündung der
Breite
Haagwegschneise in die Langener Straße (bzw. Im
Haag) steht
ca. 5 Meter südlich der Schneise ein Kreuzstein (Abb. links)
über den nicht viel bekannt ist.
UTM:
--> 32 U 479228 5537560
Im Philippseicher Wald im Distrikt Lauxensee steht ein
ähnlicher
Kreuzstein (rechts). Rätselhaft an diesem war die
Tatsache,
dass an dieser Stelle noch niemals eine Grenze verlief. Ein
zufälliges Gespräch mit einem Bewohner von
Philippseich
brachte die Aufklärung: Er fand diesen Stein abgelegt auf
einem
Steinhaufen hinter Philippseich. Er stellte ihn in den Wald auf die
andere Seite der Philippseicher Straße und begrub an dieser
Stelle seine Hunde! Eine ungewöhnliche Umwidmung
eines historischen Grenzsteines.
-->
32 U 480290 5537344


An den Tennisplätzen
vorbei kommen wir ins offene Feld. Ca. 30 Meter hinter dem letzten
Tennisplatz weist ein Schild zu den beiden mittelalterlichen
Sühnekreuzen. Ein drittes Kreuz, das dort gestanden haben
soll, ist seit langem nicht mehr vorhanden. Das
größere Kreuz
hat einen verkürzten Arm. Auf einer Seite ist ein
Kreuz eingemeißelt. Das andere ist deutlich kleiner. Auf dem
Kopf befindet sich eine Vertiefung. Beide Kreuze stehen
vor knorrigen, am Boden verzweigten Eichen. Es ist
faszinierend, diesen geschichtsträchtigen Ort im Verlauf der
Jahreszeiten aufzusuchen: Immer wieder erlebt man andere
Stimmungen und Impressionen. Nur die Hochspannungsleitungen
stören das romantische Bild.
UTM:
-->
32 U 479829 5537646

Weniger
romantisch ist die Umgegung des
nächsten Sühnekreuzes auf unserer Tour, das wir
erreichen, wenn wir nach Götzenhain hineinfahren und uns an
der Agip Tankstelle Richtung Dreieichenhain bewegen. Kurz hinter der
Einmündung des Goetherings in den Hainer Weg steht rechts am
Straßenrand an einer Mauer das
recht lieblos einbetonierte Sühnekreuz.
Ein Arm ist
zur Hälfte abgebrochen. Auf
dem Kopf findet man eine Vertiefung. Das Kreuz müsste sich
nach Nahrgang ungefähr am alten Standort befinden.
UTM:
-->
32 U 480611 5538566

Wir
wenden uns zurück durch die Rheinstraße zum
Götzenhainer Ortskern und fahren der Bahn entlang Richtung
Offenthal, biegen aber hinter
Philippseich an der schönen Eiche rechts ab folgen dem Weg
nach
links und biegen ca. 30 m von der Kurve entfernt rechts ab und gelangen
dann zum
Südrand des Fasaneriewäldchens. Dort wo der Weg einen
Graben
überquert (erkennbar auch an einem Kanaldeckel) steigen wir ab
und
gehen ca. 40 m dem Graben entlang in den Wald Richtung Norden. Hier
finden wir ca. 15 m östlich einen
zweiten relativ großen Kreuzstein, auf dem 2011 ein
umgestürzter Baum lag. Dieser Kreuzstein ist bisher in der
Heimatliteratur m. W. noch nicht beschrieben. Ähnliche Steine
gibt
es an der Grenze zwischen Offenthal und Urberach. Vielleicht ist er von
dort ins Fasaneriewäldchen versetzt worden. Eine Grenze
verläuft an dieser Stelle nicht.
UTM:
-->
32 U 480968 5537074

Wir fahren einige Meter zurück
und biegen nach rechts in einen Pfad nach Süden
Richtung des Neubaugebietes. Vor
der Bebauungsgrenze biegen wir nach rechts ab, wo wir
dann an
der
Straßenverzweigung (Langen - Götzenhain) einige
Meter in Richtung Offenthal
ein
weiteres Kreuz entdecken können. Ursprünglich standen
hier drei Kreuze, wovon eines schon lange nicht mehr existiert. Von den
beiden anderen wurde eines im Jahr 1969 gestohlen. Auf
historischen Fotos ist zu erkennen, dass in dem Kreuz ein
kleineres Kreuz
(52:43:5 cm) eingemeißelt war, durch das es eindeutig in
Nachbars Garten zu identifizieren wäre. Das an
dieser Stelle stehende Kreuz wurde bei Straßenbauarbeiten im
Jahr 1979 ebenfalls gestohlen, wurde aber nach einem Presseaufruf
heimlich wieder zurückgebracht.
UTM:
-->
32 U 480898 5536771



Die nächste Station
ist die
evangelische Kirche in Offenthal. Hier sind drei Kreuze in die drei
Außenmauern des um 1400 erbauten Kirchturms eingelassen.
Über deren ursprünglichen Standort ist nichts
bekannt.

UTM:
-->
32 U 481725 5536345

Wir können jetzt direkt
über den neuen Fahrradweg zum Dietzenbacher Friedhof fahren,
empfehlenswert ist jedoch die Weiterfahrt entlang der
Dreieichbahn in den Urberacher Stadtkern, wo wir am
Häfnerplatz auf ein sehr schön in eine Bruchsteinwand
eingefügtes Sühnekreuz stoßen. Wir
können auf den kreuz das Symbol einer Axt erkennen. Auf dem
ursprünglichen Standort in der heutigen Wiesenstraße
standen früher drei Kreuze, die ebenfalls alle mit diesem
Symbol
versehen waren. Das Kreuz vom Häfnerplatz war lange Zeit in
einer Scheunenwand eingemauert, das andere ist seit langem verschollen
und
das Dritte steht heute im Hessenpark.
UTM:
-->
32 U 485394 5535415

Das zweite Sühnekreuz in
Urberach steht nur 200 Meter weiter südlich in der
Darmstädter Straße hinter
einem geschweiften Sockel,
auf dem eine Madonna vor einem Hochkreuz steht. Es ist klein und
unscheinbar mit kurzen Armen und gedrungenem Kopf. Über den
ursprünglichen Standort ist nichts bekannt.
UTM:
-->
32 U 485343 5535268

Wir fahren zurück Richtung
Langen und biegen am Ortausgang von Urberach nach Norden Richtung
Dietzenbach, an
dem "Keltenzug" vorbei bis zur Kreisquerverbindung. Dieser folgen wir
nach Westen bis zur Ampelanlage, dann Richtung
Dietzenbach Innenstadt. An der nordwestlichen Ecke des Dietzenbacher
Friedhofs erkennt man auf der Straßenseite ein in die Mauer
eingelassenes Sühnekreuz, das nur zur Hälfte zu sehen
ist. Die Friedhofsmauer wurde 1825 errichtet. Weitere Informationen
liegen nicht vor.
UTM:
-->
32 U 483860 5539118

Das nächste
Sühnekreuz finden wir eingemauert in
der Kirchhofsmauer bei der evangelischen Kirche in der
Dietzenbacher
Altstadt. Es ist leicht zu übersehen; es befindet sich auf der
Innenseite der östlichen Mauer rechts neben einem Zaun. Es ist
z.Z. von einem Rosenbusch versteckt und etwas schwer zu fotografieren.
Im Kreuz ist ein weiteres Kreuz mit gleichlangen Armen
eingemeißelt.
UTM:
-->
32 U 483954 5539530

Wir fahren zum Dietzenbacher Rathaus;
von dort der S-Bahn entlang nach Norden zum Waldrand, dann durch die
Unterführung. Nach knapp 300 Meter biegen wir zum ehemaligen
Kloster Patershausen nach Norden ab. Nach eine kurzen Besichtigung des
Hofgutes finden wir 300 Meter weiter nördlich an der
Brücke über den Liliengraben das vorletzte
Sühnekreuz unserer Tour. Es ist relativ klein und
asymmetrisch;
der Fuß ist deutlich breiter als der Kopf. Es scheint, dass
der Steinmetz keine Lust mehr hatte, das Kreuz ordentlich
fertigzustellen.
UTM:
-->
32 U 486115 5542709

Um das letzte Sühnekreuz zu
erreichen fahren wir die Patershausener Straße Richtung
Westen, überqueren die Straße Heusenstamm
- Dietzenbach
und
kommen - geradeaus auf schlechten Wegen - auf die Alte
Babenhäuser Schneise, der wir nach Norden folgen.
Südlich des Gravenbrucher Wegs, kurz hinter der Kreisgrenze
gegen die Stadt Offenbach, finden wir wenige Meter rechts im Wald das
sog. Gambrechtskreuz. Es hat leicht modellierte Kanten. An dieser
Stelle soll eine Heusenstammer Judenfrau von ihrem Sohn erschlagen
worden sein.
UTM:
-->32
U 483315 5544180
In der Nähe des Gambrechtkreuzes befindet sich ein kleiner
Kreuzstein,
über den im Kapitel Gedenksteine berichtet wird. Wer
möchte, kann noch das "
Weiße
Kreuz" östlich
der
nördlichen Rampe über die Autobahn A 3
führenden Brücke (bei der
Müllverbrennungsanlage) besuchen. Über die
Bestewiesenschneise und ggf. Holländerbornschneise
können wir wieder zurück an unseren Ausgangspunkt
fahren.
Am südlichen Rand der Gebückswiese (östlich
der
Holländerbornschneise) stand übrigens bis vor dem 2.
Weltkrieg ein
Sühnekreuz, das den Besitzer der Wiese immer beim
Mähen
störte. Bei einer solchen Gelegenheit grub er das Kreuz aus
und schaffte es in den Vorgarten seines Hauses in Sprendlingen.
Irgendwann wurde der Garten und Hof neu gestaltet, seitdem ist das
Kreuz verschwunden. Auch die "Freunde Sprendlingens" konnten es bei
einer
intensiven Durchsuchung (mit Grabungen) nicht auffinden. Wir
werden hier berichten, falls es doch einmal auftauchen sollte.
Der
Grundstücksbesitzer hat sich für diesen
Fall bereit erklärt, das Kreuz dem Dreieich-Museum zu
überlassen.
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